Gemeindeentwicklungskonzept

Durch das Dorf spazieren und diskutieren

Bürger gehen mit den Planerinnen durch ihr Dorf

Für die Gemeine Rohrbach wird gerade ein Gemeindeentwicklungskonzept (GEK) erstellt. In diesem Rahmen finden in jedem Ortsteil „Dorfspaziergänge“ statt. Zusammen mit den für das Konzept beauftragten Planerinnen, Barbara Hummel und Beate Lang aus dem Büro Hummel | Kraus GbR, und den Bürgermeistern, spazierten die Bürger durch ihr Dorf und konnten es aus neuen Blickwinkeln entdecken und in direkten Austausch mit den Planerinnen treten.

Begonnen wurde mit den Ortsteilen Ottersried, Buchersried und Gambach am 08. Oktober, weiter ging es am 15. Oktober mit Rohr, Rinnberg und Fürholzen.

Die Spaziergänge waren überwiegend gut besucht und es gab einen regen Austausch zwischen Planerinnen und Bürgern zu den unterschiedlichsten Themen.

Welche Zukunft haben die Hofstellen?

In den meisten Ortsteilen von Rohrbach gibt es Hofstellen, die mehr oder weniger in Betrieb sind. Tatsache ist, dass die Landwirtschaft immer mehr zurück geht und immer mehr Gebäudebestand auf den Dörfern untergenutzt sein wird. Was tun damit? Nutzen, abreißen? „Wie soll damit umgegangen werden?“, war eine Frage der Planerinnen an die Dorfbewohner. Im gemeinsamen Austausch ergaben sich Fragen zu Baurecht, Kosten und Wohnwünschen. Der Umbau und Erhalt der Gebäudesubstanz wurden genauso diskutiert wie der Abbruch der Hofstellen und Neubau durch Einfamilienhäuser. Einig waren sich aber alle, dass das Dorf Geschosswohnungsbau mit vielen Wohneinheiten, gebaut von einem Investor, nicht verträgt.

Was macht ein Dorf aus?
Die Planerinnen wollten auch wissen, was den individuellen Dorfcharakter des jeweiligen Dorfes ausmacht. Hier wurde die starke Dorfgemeinschaft angesprochen, aber auch die gepflegten Gebäude und Gärten. Die Gebäudestellung und wie die Gebäude aussehen waren jedoch nach Meinung der meisten Bürger nicht so wichtig.

Baurecht für Angehörige
Große Einigkeit bestand in dem Bedürfnis nach Bauplätzen für Angehörige. Familienmitglieder sollen auf dem eigenen Grundstück oder auf neu ausgewiesenen Bauflächen Einfamilienhäuser bauen können. In diesem Zusammenhang wurden von den Planerinnen die baurechtlichen Möglichkeiten und Vorgaben kurz erläutert, aber auch die Notwendigkeit des sparsamen Umgangs mit Grund und Boden, Schutz der Landschaft vor Zersiedelung und der Möglichkeit der Nutzung bestehender untergenutzter Gebäude.

Regionaler Baustil oder Toskanahaus?
Auf die Frage ob der regionale Baustil (z. B. länglicher Baukörper mit Satteldach, Ortgang ohne Dachüberstand, etc.) gepflegt und zeitgemäß weiterentwickelt werden sollte oder jeder bauen darf wie er will, gingen die Meinungen auseinander. Für manche überwiegt die individuelle Freiheit, zu bauen, wie man möchte. Das noch vorherrschende Ortsbild, das maßgeblich durch die bestehenden Gebäude geprägt ist, kann zu Gunsten des individuellen Baustils aufgegeben werden.

Andere Bürger und Bürgerinnen waren der Meinung, dass es schon ein paar Rahmenbedingungen geben sollte, so dass die Gebäude in das Ortsbild passen und das Ortsbild im Großen und Ganzen erhalten bleibt. Damit war jedoch nicht gemeint, dass historisierend gebaut werden soll.


Dorfgemeinschaft leben
Auf dem Dorf leben heißt in einer Dorfgemeinschaft leben. So war das jedenfalls früher. Heute verändert sich das jedoch. Wie ausgeprägt das Gemeinschaftsleben ist, unterschied sich stark von Ortsteil zu Ortsteil. In manchen Ortsteilen war das Thema sehr wichtig, bei anderen gar nicht. Alle bewerteten jedoch einen zu starken Zuzug von Auswärtigen kritisch.

Einfamilienhaus ohne Alternative?
Auf die Frage wie die Bürger wohnen wollen, hatte das Einfamilienhaus die höchste Priorität. Familienleben im eigenen Einfamilienhaus wird als typisch angesehen. Hier erläuterten die Planerinnen, dass gerade auf dem Dorf das Generationenwohnen Tradition hat. Mehrere Generationen wohnten üblicherweise in einem Haus. Vor dem Hintergrund des großen untergenutzten Gebäudebestandes, z. B. der Nebengebäude der Hofstellen, wurde die Nutzung dieser Gebäude zu Wohnzwecken angeregt. Dies wurde in der Bürgerschaft aus unterschiedlichen Gründen kontrovers diskutiert.

Ein Wohnungsangebot für junge Menschen z. B. im Ausbildungsalter, Alleinstehende, Alleinerziehende, oder ältere Personen, die sich verkleinern wollen, erscheint wegen der fehlenden Angebote vor Ort und eingeschränkter Mobilität ohne Auto nicht notwendig und attraktiv zu sein.

 

Was darf man und was darf man nicht auf dem eigenen Grundstück
Viel Unverständnis wurde zu den baurechtlichen Vorgaben und Entscheidungen geäußert. Dazu erläuterten die Planerinnen das Planungsrecht in den Grundzügen, konnten jedoch auf individuelle Bauvorhaben im Rahmen der Ortsspaziergänge nicht eingehen. Besonders die Begrifflichkeiten „Außenbereich“, § 35 BauGB, im Gegensatz zum „Innenbereich“, § 34 BauGB, löste Verwirrung aus. Diese beiden Paragrafen regeln die Möglichkeiten des Bauens innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils und wo da die Grenzen liegen. Bürger und Bürgerinnen äußerten den Wunsch nach einer Beratung, die bereits im Rathaus geleistet wird. Auch wurde angeregt, dass vor allem externe Bauherren Auflagen zur Nutzung der Grundstücke bekommen, so dass keine städtebaulichen Missstände entstehen.

 

Rege Beteiligung, neue Denkanstöße und lebendige Diskussion

Die Beteiligung der Bürgerschaft ist in der Erstellung eines Gemeindeentwicklungskonzeptes ein wichtiger Bestandteil. Das Gemeindeentwicklungskonzept kann nur mit der Bürgerschaft entwickelt werden. Aus diesem Grund war es sehr erfreulich, wie viele Bürger und Bürgerinnen sich an den Dorfspaziergängen beteiligt haben. Zusammen mit den Planerinnen wurden neue Aspekte angesprochen, Denkanstöße gegeben und der Blick auf das eigene Dorf geschärft. In weiteren Veranstaltungen soll dieser Prozess der Auseinandersetzung mit der Zukunft der Ortsteile fortgesetzt werden.

Ein Gemeindeentwicklungskonzept ist ein gesamtheitliches Konzept zur Entwicklung einer Gemeinde mit allen Ortsteilen. Dabei werden alle Aspekte der Ortsteile berücksichtigt: die Historie, die Siedlungsentwicklung, die Verkehrssituation, die Einkaufsmöglichkeiten, die Gastronomie, die Natur- und Landschaftsräume, aber auch die Bevölkerungsentwicklung, soziale Infrastruktur, Brauchtum, Traditionen und Gewohnheiten usw. – eben alles, was ein Dorf ausmacht. Es wird vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern gefördert.

Noch mehr Dorfspaziergänge
Die Dorfspaziergänge der weiteren Ortsteile – Rohrbach, Fahlenbach, Waal und Ossenzhausen – finden voraussichtlich im Frühjahr 2023 statt. Die Termine werden  rechtzeitig bekannt gegeben.

Wir freuen uns, wenn auch dann wieder viele Bürgerinnen und Bürger teilnehmen und ihre Ansichten einbringen.

Bürgerbeteiligung im Rahmen des Gemeindeentwicklungskonzepts

Ein Gemeindeentwicklungskonzept kann nur unter Beteiligung aller entstehen: der Bürger und Bürgerinnen, der Verwaltung, der Entscheidungsträger, sprich der Gemeinderäte und den Stadtplanern. Die Bürgerinnen und Bürger haben eine besonders wichtige Rolle, denn sie sind die Experten ihres Ortes. Deswegen gibt es für Sie auch verschiedene Möglichkeiten, sich einzubringen: im Rahmen der Bürgerdialoge, der Dorfspaziergänge oder der online-Befragung, die vom 30.12.2022 bis 31.01.2023 durchgeführt wird. Unter https://lena.infoportal-land.de/rohrbach können Sie die Befragung aufrufen – oder Sie scannen einfach den QR-Code auf dem Plakat mit Ihrem Smartphone, und werden direkt auf die Seite weitergeleitet. Die Befragung ist anonym, es ist keine Anmeldung nötig. Alternativ liegen Fragebögen in Papierform im Rathaus im Bauamt auf Zimmer Nr. 10 aus. Sie können die ausgefüllten Fragebögen einfach in den Rathaus-Briefkasten einwerfen und so analog an der Befragung teilnehmen.

Auch die Jugend ist gefragt! Für die Jugend gibt es eine eigene Befragung, die besonders auf die Belange von jungen Leuten eingeht. Häufig wird deren Meinung zu wenig beachtet. Deswegen: Nutzt diese Möglichkeit, euch direkt selbst einzubringen und eure Sichtweise zu vermitteln!

Den Jugend-Fragebogen gibt es unter https://lena.infoportal-land.de/rohrbach-jugend  – oder ihr kommt direkt per Scan des QR-Codes auf dem Plakat dorthin. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr natürlich zusätzlich auch an der allgemeinen Befragung teilnehmen.

Das Video zur LE:NA Befragung ist nun öffentlich auf dem Kanal inklusive dem Link zur Umfrage: https://youtu.be/FT_A6wFq0JE

Bauamt

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