Wasser aus dem Feilenforst

Ein Meilenstein für die Trinkwasserversorgung in Rohrbach: Am 23. September hat die Waaler Gruppe drei neue Brunnen im Feilenforst bei St. Kastl in Betrieb genommen und an das Wassernetz angeschlossen. Damit soll die Trinkwasserversorgung in Rohrbach und Reichertshofen langfristig gesichert und autark aufgestellt werden. Die Waaler Gruppe versorgt als Regiebetrieb der Gemeinde Rohrbach den Großteil des Rohrbacher Gemeindegebiets sowie Teile des Marktes Reichertshofen mit Trinkwasser.

Die drei Brunnen im Feilenforst wurden bereits 2017 und 2018 gebohrt. In den vergangenen Monaten wurden sie technisch ausgebaut, Brunnenhäuschen errichtet und die Leitungen zum nahegelegenen Hochbehälter verlegt. Grundlage für die Arbeiten ist ein Gemeinderatsbeschluss vom Dezember 2024.

Die neuen Brunnen sind zwischen 50 und 70 Meter tief und fördern oberflächennahes Grundwasser. Zusätzlich wurde ein rund 180 Meter tiefer Brunnen gebohrt, um bei Bedarf künftig auch auf Tiefengrundwasser zurückgreifen zu können. Die notwendigen Vorrichtungen für eine spätere Nutzung wurden bereits im Zuge der aktuellen Arbeiten mitverlegt. Vorerst geht der Tiefenbrunnen nicht in Betrieb; Hintergrund ist das Landesentwicklungsprogramm Bayern, das einen besonderen Schutz des Tiefengrundwassers vorsieht. „Falls es dennoch irgendwann nötig sein sollte, sind wir gerüstet“, betont Bürgermeister Christian Keck.

Brunnen 1: Rohrbachs Bürgermeister Christian Keck (rechts) und Wassermeister Tim Milbrodt (links, Stadtwerke Pfaffenhofen) haben die neuen Brunnen für die Waaler Gruppe am 23. September in Betrieb genommen.
Foto: Stefanie Grindinger

Neue Brunnen auf dem Prüfstand

Aktuell wurde für die Brunnen eine beschränkte wasserrechtliche Erlaubnis beantragt. Sie legt fest, welche Wassermengen pro Tag und pro Jahr entnommen werden dürfen. Künftig soll das neue Gewinnungsgebiet vor allem tagsüber betrieben werden, um den vorhandenen Sonnenstrom des Hochbehälters optimal auszunutzen; ergänzend liefern weiterhin die bestehenden Brunnen in Waal. Einer der drei neuen Brunnen, Brunnen 8, weist bekanntermaßen eine erhöhte Nitratbelastung auf. Er wird dennoch herangezogen und sein Wasser mit den Fördermengen der anderen Brunnen so gemischt, dass der gesetzliche Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter deutlich unterschritten wird.

Zunächst steht nun eine mehrjährige Testphase an. Dabei werden Fördermengen, Wasserqualität und weitere Erfahrungswerte erfasst und gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt und Geologen ausgewertet. Dabei soll sich zeigen, ob die neuen Brunnen langfristig ausreichend Wasser in der erforderlichen Qualität liefern können.

Langfristig muss rund um die neuen Brunnen ein Wasserschutzgebiet ausgewiesen werden. Dieses ist mit bestimmten Auflagen, etwa für die Landwirtschaft und Bauvorhaben, verbunden, und soll das Trinkwasservorkommen vor Verunreinigungen schützen. Durch die Lage der Brunnen im Wald kommt das Schutzgebiet voraussichtlich größtenteils im Forst zu liegen. Ziel der Waaler Gruppe ist eine wasserrechtliche Erlaubnis für einen Zeitraum von 20 Jahren – sowohl in Waal als auch bei St. Kastl.

Brunnen 2: Rohrbachs Bürgermeister Christian Keck, Wassermeister Tim Milbrodt (Stadtwerke Pfaffenhofen) und Gemeinderat Thomas Wildmoser (v.l.n.r.) freuen sich über die Inbetriebnahme der drei neuen Brunnen der Waaler Gruppe.
Foto: Stefanie Grindinger

Brunnen 1: Rohrbachs Bürgermeister Christian Keck (rechts) und Wassermeister Tim Milbrodt (links, Stadtwerke Pfaffenhofen) haben die neuen Brunnen für die Waaler Gruppe am 23. September in Betrieb genommen.
Foto: Stefanie Grindinger

Mehr Unabhängigkeit bei der Wasserversorgung

Mit dem neuen Brunnenfeld soll die Waaler Gruppe künftig wieder ausreichend eigenes Trinkwasser fördern können, um ihr Versorgungsgebiet ohne regelmäßige Wasserzukäufe zu beliefern. Bereits zum 1. Oktober sollen auch die Bereiche der Gemeinde Rohrbach, die bislang noch Wasser vom benachbarten Zweckverband Ilmtalgruppe erhalten, wieder auf die Waaler Gruppe umgestellt werden. Dazu gehört das Rohrbacher Gewerbegebiet, alle Wohngebiete östlich der Bahnlinie sowie das Baugebiet „Im Gabis“. Auch die Wasserlieferung der Tegernbacher Gruppe mit Übergabestelle bei Rohr wird eingestellt.

Die Verbindung zu beiden Versorgern bleibt dennoch bestehen. Die Notverbünde soll im Bedarfsfall weiterhin genutzt werden können. Damit die Leitungen einsatzbereit bleiben, werden sie aus hygienischen Gründen regelmäßig gespült.

Die Kosten für den Brunnenausbau fallen nach aktuellem Stand deutlich niedriger aus als zwischenzeitlich angenommen. Statt der zunächst veranschlagten 3,9 Millionen Euro werden derzeit Kosten unter 3 Millionen Euro erwartet. Finanziert wird das Projekt über Verbesserungsbeiträge der Grundstückseigentümer im Versorgungsgebiet. Eine erste Rate in Höhe von 60 Prozent wurde bereits im November 2025 erhoben, die verbleibenden 40 Prozent sollen im Frühjahr 2027 folgen.

Brunnen 1: Rohrbachs Bürgermeister Christian Keck (rechts) und Wassermeister Tim Milbrodt (links, Stadtwerke Pfaffenhofen) haben die neuen Brunnen für die Waaler Gruppe am 23. September in Betrieb genommen.
Foto: Stefanie Grindinger

Investition in die Versorgungssicherheit

Aus Sicht der Gemeinde und der Waaler Gruppe war der Ausbau unumgänglich. „Weil wir die Nitratentwicklung in Waal im Griff behalten wollten und das neue Schutzgebiet nicht noch größer werden soll, als geplant, war ein zweites Gewinnungsgebiet nötig“, erklärt Bürgermeister Christian Keck. Mit dem neuen Brunnenfeld sollen sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Wasserqualität verbessert werden. „Der Zukauf von Wasser ist nicht nur teuer, sondern macht uns auch abhängig von anderen Versorgern. Mit dieser Investition stellen wir unsere Wasserversorgung wieder auf eigene Beine“, betont Christian Keck.

Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten im Feilenforst noch nicht. In den kommenden Wochen soll das Gelände rund um die Brunnen angeglichen werden, außerdem werden die Brunnenhäuschen eingezäunt. Zu einem späteren Zeitpunkt ist eine offizielle Einweihung des neuen Brunnenfelds geplant.